Mensch & Computer 2004 Requirements Engineering im Spannungsfeld von Individual- und Produktsoftware

Workshop 8 zur Mensch und Computer 2004, Paderborn 5. - 8.9.2004

Für das Requirements-Engineering wurden unterschiedliche Methoden und Vorgehensmodelle und Notationen entwickelt, deren geeigneter Anwendungsbereich wird jedoch häufig nur vage definiert ist oder durch Variationen und Optionen allgemeingültig gemacht werden. Dies zeigte sich auch auf der UPA-Session Usability Professionals und Requirements Engineering – Erfahrungen und Trends auf der Mensch und Computer 2003. Dort wurden sehr unterschiedliche Erfahrungen präsentiert, je nachdem ob eine Individualentwicklung oder einer Produktentwicklung im Fokus stand.

Ziel dieses Workshops ist es, die Praktikabilität von Requirements-Engineering-Methoden zu diskutieren. Um die Diskussion konkret zu führen, wird das Spannungsfeld Individual vs. Produkt-Software als Basis-Kontext definiert, da einige Methoden für diese Bereiche sehr unterschiedlich einsetzbar sind. Die Ergebnisse des Workshops können die Basis für die Erstellung einer Leitlinie bilden, die dem Praktiker eine Hilfestellung bei der Auswahl von Spezifikationstechniken und Usability-Methoden gibt. Ggf. können weitere Kategorien identifiziert werden, die für eine Methoden-Differenzierung geeignet sind.

Präsentationen und Positionspapiere

1 Einführung zum Workshop

Friedrich Strauß, sd&m AG

W8 Einführung 124 KB

2 Requirements- und Usability-Engineering für Standard-Software: Beispiel StarOffice/OpenOffice.org

Matthias Müller-Prove, Sun Microsystems

Zur Ermittlung der Anforderungen für eine neue Programmversion werden von der Marketingabteilung verschiedene Methoden eingesetzt. Zu nennen wären hier Fokusgruppen, Fragebögen, Interviews, Kundenbesuche (Site Visits) und Konkurrenzanalysen. Obwohl sich die Methoden der Marketing- und der User Experience-Fachleute formell sehr ähneln, sind doch die Fragestellungen der User Experience Sicht sehr viel tiefer gehend. Der Usability-Experte muss sich intensiv mit den Beziehungen zwischen dem Benutzer, dem Computer, zwischen den zu erledigenden Aufgaben und dem Arbeitskontext beschäftigen. Der Methodenkanon erweitert sich folglich um Task-Analyse, Szenarien, User Profiles, Personas und Usability-Testing. Zu diskutieren ist außerdem, inwiefern die ermittelten Anforderungen der Zielgruppe entsprechen. Da man – anders als bei der partizipativen Software-Entwicklung – nur mit einem sehr kleinen Ausschnitt der Benutzergruppe in Kontakt kommt, besteht die Gefahr, dass wesentliche Aspekte der Anforderungen unterrepräsentiert bleiben.

MuellerProve04b 6 Seiten, 62 KB

MuelleProve04b-slides 16 Folien, 370 KB

3 Requirements- und Usability-Engineering für Produkt-Software

Petra Kowallik, IXOS SOFTWARE AG

Im Gegensatz zu Individualsoftware, bei der die zu entwickelnde Funktionalität und der Benutzerkreis und der Nutzungskontext von Anfang an fest stehen, ist für die Entwicklung von Produktsoftware eine genaue Kenntnis des Absatzmarktes von zentraler Bedeutung. Die Aufgabe des Produktmanagements ist es einerseits Bestandskunden zufrieden zu stellen und andererseits neue Absatzmöglichkeiten zu schaffen.
Die Requirements stammen aus zahlreichen Informationskanälen: externe Quellen sind beispielsweise Befragungen von Bestandskunden oder Partnern, Marktrecherchen oder Wettbewerbsvergleiche, intern werden Feature-Requirements u. a. von Sales, Services oder Support eingebracht.
Das Produktmanagement konsolidiert, kategorisiert und priorisiert alle vorliegenden Requirements und erarbeitet eine Gesamt-Produkt-Roadmap. Inhalte (=das Was) für sukzessive Versionen werden festgelegt und im Rahmen mehrerer Versionsprojekte implementiert. Während der Implementierungsphasen rückt der Aspekt der Benutzungsfreundlichkeit (=das Wie) zusehends in den Mittelpunkt. Ein &Mac226;First Customer Shipment’ vor dem eigentlichen Release Termin garantiert frühzeitiges Nutzerfeedback. Kurze Versionszyklen ermöglichen außerdem ein flexibles, iteratives Vorgehen und garantieren schnelle Korrekturmöglichkeiten bestehender Usability–Schwächen oder Änderungen bzw. Ergänzungen der Requirements bzw. deren Priorisierungen.

Kowallik 150 KB

Kowallik-slides 336 KB

4 Requirements-Analyse und Spezifikation bei Individualsoftware

Friedrich Strauß, sd&m AG

Die Anforderungsermittlung insb. zur Benutzerschnittstelle ist bei Individualsoftware eng mit ihrem Design verbunden. Durch den direkten Kontakt zu den Benutzern kann die Anforderungsermittlung und Spezifikation effektiv miteinander verschränkt werden. Diese Verschränkung ist wichtig, um die Umsetzbarkeit von Anforderungen prüfen zu können und widersprüchliche Anforderungen frühzeitig zu entdecken. Durch geeignete Techniken kann mit den Benutzern geprüft werden, ob seine genannten Anforderungen sinnvoll sind und ob eine Spezifikation und insb. das Design der Benutzerschnittstelle ihren unterschiedlichen Anforderungen geeignet erfüllt.

Strauss 200 KB

Strauss-slides 224 KB

Querverweise