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Powerpoint, Fischer 2009Slideware. Kommunikationsmedium zwischen Redner und Publikum
Matthias Müller-Prove In: Claus Pias, Wolfgang Coy (Hrsg.) Powerpoint

Einleitung

Gute Computerprogramme zeichnen sich dadurch aus, daß sie den Anwender bei seinen Tätigkeiten leiten und unterstützen. Sie sollen im Sinne der Gebrauchstauglichkeit aufgabenangemessen und zufriedenstellend sein. Präsentations-Software bildet da keine Ausnahme. Allerdings sind in diesem Bereich zwei sehr unterschiedliche Aufgabenkontexte zu betrachten: zum einen die Tätigkeit der Folienerstellung, die meist in einer intensiven Nutzungsphase zwischen Anwender und Programm stattfindet. Hier kommt es darauf an, dem Anwender flexible Werkzeuge anzubieten, mit denen er die Struktur konzipieren und die einzelnen Folien mit Texten und Illustrationen füllen kann. Die Verwendung von Templates und Stilvorlagen sorgt zudem für ein einheitliches Erscheinungsbild der Präsentation. Beim Vortrag vor dem Publikum sollte das Programm dann möglichst intuitiv bedienbar sein und den Vortragenden dezent mit zusätzlichen Informationen versorgen, wie zum Beispiel den Stichworten zur aktuellen Folie. Beide Aspekte tragen maßgeblich zum Gelingen – oder Mißlingen – eines Vortrags bei. Vielmehr noch, die Verwendung von Powerpoint oder vergleichbaren Programmen prägen den Stil des Vortrags, indem ihre Grundannahmen, Metaphern und stilistischen Voreinstellungen in die Gestaltung der Präsentation eingehen.

Der Raum der Möglichkeiten, der von dem Programm aufgespannt wird, ist für ungeübte Redner hilfreich, weil er sich an den Vorgaben orientieren kann und im Laufe der Zeit besser lernt mit dem Programm umzugehen. Es besteht jedoch auch die Gefahr, daß sich der Anwender zu sehr an das Programm anpaßt und sein Denken nur noch in Bahnen verläuft, die mit der Software einfach zu realisieren sind. Die Folge sind stereotype Vorträge, die weder dem Vortragsthema gerecht werden noch beim Publikum lange haften bleiben. Im Folgenden werden die vorherrschenden Rahmenbedingungen eines typischen Vortrags aufgezeigt.

Das jedoch noch nicht online.

Eine typische Vortragssituation

Slideware

Vorbereitung

Präsentation

Nachbereitung

Kommunikation von Mensch zu Mensch

Design

Performance

Webcasting

Resümee

Powerpoint ist in den letzten 20 Jahren im geschäftlichen Umfeld und an Hochschulen zum dominierenden Präsentationsmedium geworden und hat alternative Vortragstechniken weitestgehend verdrängt. Der Einfluß auf die Diskussionskultur in Meetings und Workshops ist derart gravierend, daß man die entstandene Monokultur nur beklagen kann. Kann man dafür Powerpoint oder den Hersteller verantwortlich machen? Sicherlich nicht. Aber der Einsatz derartiger Slideware zieht fast zwangsläufig einen Vortragsstil nach sich, der nur einen geringen Teil des menschlichen Kommunikationsspektrums nutzt.

Für eine gute und vollständige Präsentation sind nacheinander die Phasen Konzeption, Gestaltung, Vortrag und Nachbereitung zu durchlaufen. Handelsübliche Präsentations-Software beschränkt sich immer noch auf die beiden mittleren Bereiche der Foliengestaltung und Projektion während des Vortrags. Für die Vorbereitung sowie die nachträgliche Dokumentation sind andere Werkzeuge bzw. Web-Services besser geeignet, die nicht Teil des Präsentationsprogramms sind. Es bleibt also dem Anwender überlassen, geeignete Werkzeuge für alle Phasen einer Vortragserstellung zu finden. Das setzt aber Kompetenz im Umgang mit dem Computer voraus, die im Allgemeinen nicht gelehrt wird und auf die beim Einsatz einer Präsentations-Software auch nicht hingewiesen wird.

Mit Hilfe von Powerpoint oder OpenOffice.org oder Keynote lassen sich gute Präsentationen erstellen. Voraussetzung dafür ist aber eine ständige Reflektion über den eigenen Vortragsstil und ein stetiges Praktizieren und Experimentieren mit neuen Elementen. So hat zum Beispiel der User Experience Experte Don Norman entdeckt, daß seine Lieblingsfolie komplett schwarz ist.18 Dann wird der Saal nämlich wieder erleuchtet, und es kann ein Gespräch mit dem Auditorium beginnen.

Fußnoten

1 »Slideware« bezeichnete ursprünglich Software, die nur als Konzept auf Marketing-Präsentationsfolien existent war. Seit Edward Tuftes Artikel in WIRED 2003 versteht man unter dem Begriff aber Präsentationsprogramme im Allgemeinen. Edward R. Tufte, »Powerpoint Is Evil«, in: WIRED, 11/9 (2003).

2 Steffan Heuer, »Die Revolutionäre des Büro«, in: brand eins, 4/3 (2002).

3 Robert Gaskins, »Powerpoint at 20: Back to Basics«, in: Communications of the ACM, 50/12 (2007).

4 www.openoffice.org

5 www.apple.com/iwork/keynote/

6 Das Problem ist die Belegung der Schaltknöpfe, die zu den Pfeiltasten der Tastatur inkonsistent ist. Auch muß mit Infrarot-Fernbedienungen auf den Empfänger gezielt werden und nicht auf die Leinwand – ein typischer Fehler, der oft zu beobachten ist.

7 Alan D. Baddeley und Graham J. Hitch entwickelten 1974 die Theorie des »Arbeitsgedächtnisses« als Weiterentwicklung der bis dahin üblichen Vorstellung vom »Kurzzeitgedächtnis« mit beschränkter Kapazität – de.wikipedia.org/wiki/Baddeleys_Arbeitsgedächtnismodell

8 John Sweller, »Visualisation and Instructional Design«, in: Proceedings of the International Workshop on Dynamic Visualizations and Learning, Knowledge Media Research Center, Tübingen 2002, S. 1501-1510.

9 lehrerfortbildung-bw.de/kompetenzen/praes/werkzeuge/tipps.htm

10 Guy Kawasaki, The 10/20/30 Rule of Powerpoint, 2005.

11 Garr Reynolds, Presentation Zen. Simple Ideas on Presentation Design and Delivery, Amsterdam: Addison-Wesley Longman 2008.

12 Der Blog zum Buch: www.presentationzen.com

13 Gaskins, a.a.O.

14 Cliff Atkinson, Beyond Bullet Points: Using Microsoft Powerpoint to Create Presentations That Inform, Motivate, and Inspire, Redmond, WA: Microsoft Press 2005. Die Templates und Beispiele aus dem Buch sind erhältlich unter sociablemedia.com/resources_bookdownloads.php4.

15 www.slideshare.net

16 Beispielhaft sei hier auf die Angebote der Universität Stanford – itunes.stanford.edu/ – und des MIT OpenCourseWare – ocw.mit.edu/ – verwiesen. Auch in Deutschland gibt es vergleichbare Initiativen, wie das Verbundprojekt der Hamburger Hochschulen auf http://podcampus.de belegt. Das »World Lecture Project« – www.world-lecture-project.org – hat es sich zur Aufgabe gemacht mittels eines kollaborativen Web-Service online verfügbare Vorlesungen zusammen zu tragen.

17 Bei Videos stellt sich das Problem, einen Kommentar nicht unbedingt zu dem gesamten Vortrag abgeben zu wollen, sondern nur zu einer bestimmten Stelle des Vortrags. Der Web-Service Viddler bietet eine elegante Lösung, die ein zeitpunktgenaues Kommentieren ermöglicht: www.viddler.com

18 Cliff Atkinson, Powerpoint Usability: Q&A with Don Norman, 2004.